„Manchmal treffen sie hier Menschen wieder, die sie von früher kennen“

Gemeinsam besprechen Michael Wäschenbach, Pia Pfeifer-Irle, die Leiterin der Tagespflege, und Paula Wäschenbach (von links), was Neues in der Tagespflege ansteht und ob weiterer Betreuungsbedarf besteht.

17.12.2012

Betzdorf (al). Die 85-jährige Paula Wäschenbach kann sich noch sehr gut daran erinnern, wie ihr erster Tag in der Tagespflege des Marienhaus Altenzentrums St. Josef war. „Meine jüngste Tochter hatte mich zu einem Ausflug nach Betzdorf eingeladen“, berichtet sie. „Statt im Städtchen bummeln zu gehen, kamen wir hierher“, erzählt sie lachend weiter. Und Paula Wäschenbach war sofort begeistert: „Alle waren sehr zuvorkommend, die anderen Gäste waren mir sympathisch und die Aktivitäten haben mir richtig gut gefallen“. Mittlerweile besucht sie seit fünf Jahren die Tagespflege und kommt dreimal in der Woche von 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr hierher. Die Tagespflege im Marienhaus Altenzentrum St. Josef besteht seit 1999 und kümmert sich seitdem überwiegend um dementiell veränderte Menschen, die tagsüber nicht von ihren Angehörigen versorgt werden können. „Unser Angebot soll die Angehörigen entlasten, deswegen bieten wir für jeden Gast individuelle Betreuungsmöglichkeiten an“, betont Pia Pfeifer-Irle, die Leiterin der Tagespflege. Manche Gäste kommen jeden Tag, manche nur einmal die Woche. „Künftig wollen wir auch halbe Tage anbieten und bei Bedarf sind wir auch am Wochenende für unsere Gäste da“, erklärt Pfeifer-Irle, „so können wir noch flexibler auf die Bedürfnisse der Gäste und ihrer Angehörigen eingehen“.

 

 

Die Kinder von Paula Wäschenbach sind dankbar, dass ihre Mutter in der Tagespflege so gut betreut wird. Nach dem Tod ihres Mannes 2007 verstärkte sich ihre Demenz. „Außerdem merkten wir, dass sie wieder unter Leute musste“, denkt ihr Sohn Michael Wäschenbach zurück. Früher war seine Mutter eine aktive Geschäftsfrau. In der Bäckerei ihres Mannes kümmerte sie sich um Kunden, Abrechnung, Bestellung „und alles, was eben so anfiel“, erinnert sich die 85-Jährige. „Außerdem war sie aktiv in der Kirchengemeinde engagiert“, fügt ihr Sohn an. Er ist das älteste von sieben Kindern. Und gemeinsam mit seiner jüngsten Schwester Maria kümmert er sich vor Ort um seine Mutter, da seine anderen Geschwister weit entfernt leben. Paula Wäschenbach will zudem noch selbstbestimmt leben und möchte so lange es geht in ihre Wohnung bleiben. „Die Tagespflege in Betzdorf ist für uns und unsere Mutter genau das Angebot, was wir gesucht haben“, berichtet Michael Wäschenbach. Regelmäßig sprechen er und seine Geschwister mit den Mitarbeitern der Tagespflege über die gesundheitliche Entwicklung ihrer Mutter, um so schnell auf zusätzlichen Betreuungsbedarf reagieren zu können. „Mittlerweile sind weitere ambulante Hilfen dazugekommen“, ist Michael Wäschenbach dankbar für die Rückmeldungen und die kurzen Wege zwischen dem ambulanten Dienst, der ökumenischen Sozialstation, und den Mitarbeitern der Tagespflege. So ist ein verlässliches Netzwerk der Betreuung, Pflege und ärztlichen Versorgung entstanden. „Ich habe jetzt sogar eine Haushaltshilfe von der Sozialstation“, erzählt Paula Wäschenbach, „und so habe ich auch an den Tagen Unterstützung und Gesellschaft, wenn ich nicht hierher komme“.

 

 

Wieder in Gesellschaft zu sein, das ist für viele Tagespflegegäste ein großer Gewinn, wenn sie ins Marienhaus Altenzentrum St. Josef kommen. „Manchmal treffen sie hier Menschen wieder, die sie von früher kennen“, weiß Pia Pfeifer-Irle aus Erfahrung. Gemeinsam verbringen sie dann den Tag. „In unserer Tagesgestaltung achten wir auf Rituale und Struktur“, erläutert Pfeifer-Irle, denn gerade für dementiell veränderte Menschen ist dies sehr wichtig. In der Begrüßungsrunde darf jeder berichten, was ihn gerade beschäftigt. Anschließend wird gemeinsam gefrühstückt. Wer mag, kann dann die Messe in der Hauskapelle besuchen oder spazieren gehen. „Oft bereiten wir gemeinsam einen Teil des Mittagessens zu“, erklärt Pfeifer-Irle weiter. „Da helfe ich sehr gern, obwohl ich das früher selten gemacht habe“, erzählt Paula Wäschenbach. Und so schneidet sie auch heute fleißig Obst für den Obstsalat. „Bei uns war berufsbedingt immer mein Vater für das Kochen zuständig“, fügt ihr Sohn Michael Wäschenbach erklärend hinzu und ist immer wieder begeistert, was seine Mutter hier alles erlebt. So wird gemeinsam gesungen, gebastelt, gelesen, Sport gemacht und „wir feiern viel zusammen“, freut sich Paula Wäschenbach. Viele Aktivitäten, die den Tagespflegegästen angeboten werden, kennen diese von früher und vermitteln ein vertrautes Gefühl. „Oft reicht eine Überschrift in der Zeitung oder ein altes Volkslied aus, um Brücken in die Vergangenheit zu schlagen“, erläutert Pfeifer-Irle.

 

 

Um den Interessen und Bedürfnissen der Tagespflegegäste gerecht zu werden, „passen wir regelmäßig unser Konzept, unsere Organisation und unser Angebot an“, erklärt Pia Pfeifer-Irle. So wird jetzt beispielsweise der Rollstuhlgerechte Bus des Altenzentrums auch für den Fahrdienst der Tagespflegegäste genutzt, denn die Gäste werden morgens zu Hause abgeholt und am Ende des Tages wieder heimgebracht. Des Weiteren wird es für schwer dementiell veränderte Gäste künftig Nachmittage zur basalen Stimulation geben. Mit Musik, Licht, Düften und kleinen Massagen werden alle Sinne der Gäste angesprochen. Auch um die Angehörigen kümmern sich die Mitarbeiter der Tagespflege. So bieten sie jeden zweiten Mittwoch einen Angehörigen-Gesprächskreis an. Hier können sie sich in einem geschützten Raum über ihre Erfahrungen und Probleme austauschen. „Dieser Kreis ist auch offen für Angehörige, die kein Familienmitglied in unserer Tagespflege haben“, hebt die Leiterin der Tagespflege hervor. Und für das Frühjahr ist eine Schulungsreihe für pflegende Angehörige geplant. Hier soll unter anderem das Krankheitsbild der Demenz erläutert werden. „Denn das hilft vielen schon, ihr Familienmitglied besser zu verstehen“, ist die Erfahrung von Pfeifer-Irle.

 

 

„Ich bin stolz, dass ich hierher kommen darf“, erzählt Paula Wäschenbach fröhlich. „Und für uns war es ein Glückstreffer“, fügt ihr Sohn hinzu. Er kann sicher sein, dass seine Mutter im Prozess des Älterwerdens gut begleitet wird und sich wohlfühlt. Und auch ihm und seinen Geschwistern stehen die Mitarbeiter der Tagespflege bei Fragen und Problemen vertrauensvoll zur Seite.

 

Marienhaus Altenzentrum St. Josef

Elly-Heuss-Knapp-Str. 29
57518 Betzdorf
Telefon:02741 296-0
Telefax:02741 296-275
Internet:http://www.altenzentrum-betzdorf.de

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